Cozy Week #25: Fluchttür 🚪
Was ich diese Woche gemacht, gelernt und genossen habe
💭 Was ich diese Woche gemacht habe
Diese Woche ist mir ein Gedanke gekommen und das nicht am Schreibtisch, oder beim bewussten Nachdenken, sondern einfach so, mitten beim Küche-Aufräumen (der Klassiker):
Etwas Neues zu starten ist nicht immer der richtige Weg. Manchmal laufen wir auch nur vor dem weg, was uns überfordert – obwohl genau das vielleicht das Richtige für uns wäre.
Gekommen ist mir dieser Satz aus einem richtig schönen Gefühl heraus: Ich bin gerade so glücklich mit einer Entscheidung, die eigentlich gar kein Neuanfang war, sondern eine Rückkehr. Ich mache wieder das, was ich früher aus echter Leidenschaft gemacht habe: Meine YouTube-Kanäle bespielen. Einfach, weil es mir Freude macht. Ohne ständig an Einnahmen und Strategien zu denken. Und aus dieser Zufriedenheit heraus ist mir aufgefallen, wie oft ich sonst das Gegenteil tue.
Denn mein Kopf ist eine kleine Ideenfabrik. Kaum ist ein Projekt halb fertig, klopft schon das nächste an und ruft: „Hier, ich bin viel spannender!” Und weil mein Hirn nun mal so tickt, setze ich solche Impulse oft sofort um. Manchmal ist das ein Geschenk, denn meine Spontaneität hat schon viel Schönes entstehen lassen. Aber manchmal merke ich auch am nächsten Tag (oder leider erst Wochen später): Oh. Das war gar keine neue Richtung. Das war eine Fluchttür.
📖 Was ich diese Woche gelernt habe
Weg von oder hin zu?
Während eines Coachings hatte ich schon gelernt, dass es einen feinen, aber riesigen Unterschied zwischen einer „Weg-von-Bewegung” und einer „Hin-zu-Bewegung” gibt.
Hin zu: Ich fange etwas an, weil es mich zieht. Weil ich neugierig bin, weil es sich nach mir anfühlt.
Weg von: Ich fange etwas an, weil mich das Alte gerade überfordert, langweilt oder unangenehm wird. Das Neue ist dann weniger ein Ziel als ein Notausgang.
Das Tückische ist leider, dass von außen beide gleich aussehen. Wir haben dieselbe Aufbruchsstimmung und dieselbe Energie dabei. Der Unterschied liegt nur im Motiv und das spüre ich persönlich oft erst, wenn ich dem Impuls mindestens einen Tag Zeit gebe.
Deshalb begleitet mich gerade ein kleiner Satz: Erstmal abwarten. Nicht „nie”, nicht „lass es”, sondern nur: erstmal. Eine Nacht drüber schlafen. Wenn die Idee am Morgen noch zieht, dann zieht sie wirklich.
Schon Seneca wusste das
Du musst deine Seele ändern, nicht den Himmel
Dieses Zitat von Seneca lässt sich sinngemäß so übersetzen:
Reise nicht vor deinen Problemen davon, denn deine Fehler und Sorgen begleiten dich überallhin.
Ein neues Projekt, ein neuer Ort, ein neuer Plan wechselt nur die Kulisse. Aber das, was uns überfordert hat, sitzt mit im Gepäck. Das ist kein Grund, nie etwas Neues zu wagen. Es ist nur wichtig, vorher kurz hinzuhören:
Will ich da wirklich hin? Oder will ich nur hier weg?
Das Büro
Ich kenne das wie gesagt nur zu gut aus eigener Erfahrung. Vor einiger Zeit habe ich mir ein Büro angemietet. Meine Idee war, dass ich mit einem eigenen Raum bestimmt mehr Lust hätte, Videos zu drehen. Außerdem würde alles professioneller aussehen, mit immer demselben schönen Hintergrund. Ein neuer Ort, ein frischer Rahmen, ein kleiner Neuanfang.
Und was kam dabei heraus? Es lag überhaupt nicht an der Umgebung. Die Hürde saß in mir und die ließ sich im Außen nicht lösen. Ich hatte den Himmel gewechselt, aber die Seele war dieselbe geblieben. Genau das, wovor Seneca warnt.
Im Podcast “Spaßgetränk”, den ich diese Woche gehört habe, erzählt Mirella von genau demselben Reflex: Sie überlegte, aus beruflichen Gründen nach Berlin zu ziehen, obwohl sie ihr Haus und ihren Standort eigentlich genauso liebt, wie sie sind. Es tröstet mich fast, wie vertraut dieser „woanders wäre es bestimmt leichter”-Impuls so vielen von uns ist.
Inzwischen habe ich mein Büro übrigens wieder gekündigt und bin seitdem vorsichtiger geworden mit Lösungen, die nur die Kulisse tauschen.
Was treibt uns wirklich an?
Dazu passte eine weitere Podcastfolge, die ich bei Hotel Matze gehört habe – „Was ist deine wahre Motivation?” mit Philip Siefer. Die beiden sprechen darüber, was uns eigentlich antreibt: Angst, Inspiration, alte Skripte oder echte Lust. Und über einen Gedanken, der bei mir hängen geblieben ist: dass nicht alles sofort in Ordnung gebracht werden muss.
Ich denke, genau das ist die Kunst. Nicht jeden inneren Impuls sofort in eine Handlung zu übersetzen, sondern erst einmal zu fragen:
Kommt das gerade aus der Angst oder aus der Lust?
Dranbleiben ist oft die “langweiligere” Entscheidung. Etwas Neues anzufangen fühlt sich nach Aufbruch an. Beim Alten zu bleiben und es durch eine zähe Phase zu tragen, fühlt sich leider oft gar nicht gut an. Es ist trotzdem ganz oft das, woraus etwas wächst.
Also, für diese Woche, von mir an mich (und vielleicht auch an dich): Wenn der nächste „Ich-fange-was-ganz-Neues-an”-Impuls kommt – erstmal abwarten. Und dann ehrlich fragen:
Zieht es mich (habe ich wirklich Lust drauf)? Oder fliehe ich (habe ich nur Angst vor etwas)?
🩵 Was ich diese Woche genossen habe
🎧 Podcast: Gehirn gehört - Die Qual der Wahl
Und weil zwischen „Weg von" und „Hin zu" ja immer eine Entscheidung steht, lege ich euch noch diese Folge von Prof. Dr. Volker Busch ans Herz. Er erklärt so gemütlich und clever, warum uns die grenzenlose Auswahl heute oft lähmt und wie wir wieder leichter und entschlossener wählen. Gerade für Impuls-Menschen, die vor lauter Möglichkeiten am liebsten alles gleichzeitig anfangen würden, ein schöner Perspektivwechsel.
📘 Buch: Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig
Dieser Roman ist ein Bestseller, deshalb steht er auch in meinem Bücherregal. Bereits vor Wochen hatte ich ihn gekauft, aber mich irgendwie noch nicht „rangetraut". Kennt ihr das? Dabei passt das Thema perfekt zu dieser Cozy Week und wahrscheinlich zu vielem, was mich gerade beschäftigt: Die Heldin darf all die vermeintlich besseren Leben ausprobieren, die sie hätte führen können und merkt dabei, wie viel Wert in genau dem Leben steckt, vor dem sie eigentlich fliehen wollte. Ich habe es mir aufs Kopfkissen gelegt, damit ich heute Abend starte. Trick 17. 😉
🎥 Video: Die Wahrheit über den Neuanfang von BRUST RAUS
Zum Schluss noch ein Video, das perfekt in diese Woche passt. Der Traum vom Laptop am Strand ist ja das große „woanders wäre alles besser" und genau daran sieht man, wie oft wir im Außen suchen, was sich nur innen lösen lässt.
Ich hoffe, ihr habt ganz viel Freude beim Lesen und mit den verlinkten Dingen 😍
Stay cozy ✨
Sina






Liebe Sina, ich kann diese Fluchttür nur zu gut. Ich hab viele Jahre gebraucht, um herauszufinden, dass ich „andauernd vor mir selbst fliehe“. Gleichzeitig hat sich mit jeder Flucht mein Horizont enorm erweitert. Was ich damit sagen möchte ist, dass ich in meinem Leben erst immer wieder geflohen bin (räumlich, beruflich, in Freundschaften), irgendwann gab es dann den einen Moment, der sich angefühlt hat, als ob mir jemand mit einem großen Brett auf den Hinterkopf gehauen hat… plötzlich wurde mir klar, dass ich fliehe… dann kamen die Vorwürfe, was alles in meinem Leben anders wäre, wenn ich nicht geflohen wäre… heute würde ich nichts anders machen, einfach weil ich es liebe, was ich alles in diesen Ausflüchten gelernt habe. Genau das macht mich zu dem Menschen, der ich heute bin 💞